Im Vergleich zu dem, was ich bereits zurückgelegt hatte, war es nicht mehr weit bis Santiago de Compostela. Ich war in meinem Rhythmus und ging über eine Brücke und dort stand es an einer Wand. Ich bin erst daran vorbeigegangen, habe kurz innegehalten und bin zurück, um es nochmal zu lesen.
Der Satz hat mich nicht mehr losgelassen.
DU MUSST DEIN ÄNDERN LEBEN
Danach folgte ein „Klick“-Moment. Ich habe ein wenig gebraucht, um das Gelesene rational zu verstehen. Es wirkt bis heute nach:
Die Veränderung selbst ist das, worum es geht. Der Prozess. Die Bewegung.
Mein Weg hierher
Der Weg, der mich zu dieser Erkenntnis geführt hat, war nicht geradlinig. Ich bin 1985 im Saarland geboren, weiß, cis-männlich, in einer Arbeiter*innenfamilie aufgewachsen und heteronormativ sozialisiert. Das prägt, wie ich auf die Welt und damit auch auf Körper schaue: auf meinen eigenen und auf andere. Irgendwann fing ich an, Dinge zu hinterfragen, die ich lange für selbstverständlich gehalten habe. Damit einher ging die Erlaubnis, mein Leben nach meinen Bedürfnissen zu gestalten.
Bewegung hat mir schon immer viel gegeben und doch war sie am Anfang stark mit Leistung verknüpft. Im Handballtor, beim Marathon-Laufen oder beim Mitteldistanz-Triathlon. Ich wollte gewinnen, schneller werden, muskulöser aussehen. Mein Körper war ein Projekt. Je mehr ich versucht habe, ihn zu optimieren, desto weiter habe ich mich von mir selbst entfernt. Gleichzeitig war der Sport eine der Konstanten, die mich geerdet haben, auch in sehr herausfordernden Phasen.
Letztlich konnte kein Sport das kompensieren, was in meinem Alltag nicht passte: ein Job, der mich innerlich leer ließ, egal wie viel ich geleistet habe; ein Leben, das sich nicht nach meinem anfühlte, auch wenn ich alles hatte, was sich andere für mich gewünscht haben.
Eines Morgens lag ich im Bett und wollte nicht mehr aufstehen. Ich fühlte eine große Leere. Da wurde mir klar: Ich muss mein Ändern leben.
Aufbruch in ein anderes Leben
Der Jakobsweg nach meiner Kündigung war kein Ausweg, er war ein Anfang. 3.150 Kilometer zu Fuß von Köln nach Santiago de Compostela brachten mir keine Antworten auf meine Fragen. Stattdessen haben sie etwas angestoßen, das bis heute nachwirkt.
Danach habe ich ein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln begonnen und vielfältige Perspektiven auf Bewegung kennengelernt. In dieser Zeit bin ich auch auf Bewegungskonzepte gestoßen, die bis heute meine Arbeit prägen, wie die von Moshé Feldenkrais und Ida Rolf.
Beide haben mir gezeigt: Bewegung ist Leben.
Parallel zum Studium absolvierte ich eine Psychotherapie und lernte, meine inneren Bewegungsblockaden und emotionalen Muster besser wahrzunehmen.
In den neun Jahren an der Sporthochschule habe ich mich sehr viel bewegt: innerlich und äußerlich. Ich habe Stück für Stück meine Freude an dem zurückgewonnen, was ich täglich mache.
Ein Raum für Bewegung
Diese Freude möchte ich auf domibility mit Dir teilen.
domibility ist ein virtueller Raum für Menschen, die spüren möchten, was Bewegung jenseits von Leistung und Optimierung bedeuten kann, die wahrnehmen möchten, was gerade da ist.
Ich liefere keine Antworten, sondern lade Dich ein, etwas auszuprobieren, wahrzunehmen, innezuhalten. Du findest hier auch meine Jakobsweg-Erfahrungen als Archiv, als Brücke hin zum Heute.
domibility ist kein abgeschlossenes Projekt, kein fertiger Ort. Es geht um Bewegung und deshalb ist hier alles in Bewegung, genau so, wie ich es bin. Ich lebe mein Ändern und das spiegelt sich in domibility wider.
Du kannst hier verweilen, ausprobieren, Dich inspirieren lassen und wiederkommen. Manches wird sich sofort erschließen, manches braucht Zeit. Beides ist in Ordnung.
Und falls Dich irgendwann die Lust überkommt, etwas zu bewegen: Ich begleite Dich gern dabei.

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