Ich sitze im Schneidersitz auf einem Stahlbett. Um mich herum sind dicke Betonwände, über mir geht es 18 Meter nach oben. Im Boden der Ebene über mir ist ein quadratisches Loch eingelassen, über das eine Treppe von hier auf den Berghain-Mainfloor führt. Von der massiven Funktion-One-Soundanlage, die dort mit mehreren Boxentürmen und von der Decke herabhängenden Lautsprechern installiert ist, dröhnt industrieller Techno zu mir nach unten – und lässt nicht nur meinen Körper sondern auch die Sitzfläche vibrieren.
Ich liebe es zu tanzen. Diese Liebe lebe ich an diesem surrealen, dystopisch anmutenden Ort der großen Freiheit gerne aus. Ich liebe es, auf dem dunklen Mainfloor zu hartem Techno mit ausladenden Bewegungen zu tanzen und das Gefühl zu haben, als würde ich mit den anderen Menschen um mich herum zu einer großen wabernden Masse verschmelzen. Genauso liebe ich es, meinen Körper in der helleren Panorama Bar mit der groovigen Musik verschmelzen zu lassen und mit smoothen Bewegungen und einem breiten Grinsen im Gesicht mit anderen Menschen Blicke auszutauschen und so gemeinsam zu tanzen.
Doch wie es mit der Liebe so ist: auch beim Tanzen kann sie herausfordernd sein. Es gibt Momente, in denen ich die Verbindung zu mir selbst verliere. Ich fange plötzlich an darüber nachzudenken, wie ich tanze. Ich schaue mich häufiger um und interpretiere die Blicke der anderen statt vom gegenseitigen Wohlwollen auszugehen. Ich möchte Verbindung zu anderen aufbauen und traue mich dennoch nicht, „Hi“ zu sagen oder ein Kompliment zu machen. All das sind Anzeichen dafür, dass ich nicht mehr bei mir bin – und damit nicht mehr im Flow sein kann. Häufig helfen mir die Musik und die massive Anlage dabei, wieder zu mir zu kommen, mich auf dem Dancefloor mit mir zu verbinden und wieder präsent zu sein. Doch manchmal merke ich auch, wie ich mich in meinen Gedankenspiralen verliere.
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Dann steige ich die Treppen hinab und setze mich im Schutz der Dunkelheit auf eines der Stahlbetten. Ich schließe die Augen und beginne zu meditieren. Einatmen. Ausatmen, dabei summen. 10 Mal. Nach dem 10. Summen halte ich die Luft an, solange ich kann. Danach das ganze 9 Mal, 8 Mal, 7 Mal – so lange, bis ich bei einem Atemzug und einem letzten Summen angekommen bin.
Obwohl das Außen so laut ist, dass mein Körper durch den Bass der Musik vibriert, spüre ich auch das Vibrieren durch mein Summen von innen. Ich spüre meinen Kiefer, meinen Hals und meinen Brustraum schwingen. Auch mein Herzschlag reiht sich in das Orchester ein. So stelle ich wieder die Verbindung zu mir selbst her, fange wieder an, mich zu spüren. Manchmal fühlt es sich dann sogar so an, als würden die Vibrationen von außen sich mit den Vibrationen von innen synchronisieren, sie miteinander verschmelzen – so wie ich es manchmal auf dem Dancefloor erlebe, wenn ich mit der Musik verschmelze, zur Musik werde.
Nach dem letzten Summen öffne ich die Augen. Ich spüre das Stahlbett unter mir, spüre den Bass, der noch immer durch den Raum wabert, höre die Musik. Ich habe die Verbindung zu mir wiedergefunden, bin wieder ganz da. Ich nehme das Erlebte mit, wenn ich die Treppen zum Mainfloor wieder hinaufsteige, um weiter zu tanzen. Ich nehme es auch mit, wenn ich das Berghain am Sonntagabend verlasse. Der Resonanzraum in mir ist immer da, auch wenn es im Außen laut und voller Reize ist. Sogar in der Technokathedrale – oder gerade hier.
Wenn Du selbst spüren willst, wie sich das anfühlt, folge dem Link zu meinem Impuls: Impuls 8 – Der Körper als Resonanzraum

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