Ich erinnere mich noch genau an einen meiner ersten Läufe meiner „Läuferkarriere“ im Jahr 2009. Meine Handball-Karriere hatte ich 2006 an den Nagel gehängt, bevor ich ins Schwabenland umzog, um mein duales Studium zu starten. Anfangs war ich eigentlich ganz happy, mal nicht „gezwungen“, also zu festgelegten Trainingszeiten Sport machen zu müssen. Wenn ich ehrlich bin, genoss ich auch zunächst mal so richtig das Studentenleben – das Sportlichste war oft der nächtliche Gang nach Hause nach dem Feiern.

Auch gesundes Essen war mir damals eher fremd. Auf dem Speiseplan standen Fast Food, Tiefkühlpizza und nahezu kein Obst und Gemüse. Anfänglich war das kein Problem, doch schon nach kurzer Zeit war klar, dass die Anzeige auf der Waage immer weiter Richtung Norden tendierte. Und da ich in meiner Jugend schon einmal fast 100kg mit mir herumschleppte, wollte ich das nicht nochmal. Nach ein paar hoffnungslosen Anläufen, regelmäßig das Fitnessstudio zu besuchen, war schnell klar, dass ich kein Freund der Muckibude werde. Und so begann meine Läuferkarriere.

Während meiner Handballerkarriere mochte ich Laufen nicht wirklich. Gerade während der Saisonvorbereitung stand oft Ausdauertraining auf dem Programm – und da ich ja „nur“ Torhüter war, ließ ich das Training öfter mal ausfallen. Doch dieses Mal sollte alles anders werden – ich glaube der Unterschied lag darin, dass ich mich 2009  aktiv dafür entschied, laufen zu gehen. Stuttgart hat zum Laufen einiges zu bieten.  Ich entschied mich für den Bärensee, den ich jedem, der in oder um Stuttgart wohnt, zum Laufen nur empfehlen kann.

Doch nun zurück zum Anfang des Artikels, also zu dem Lauf, an den ich mich noch erinnern kann, als wäre es gestern gewesen. Es war ein regnerischer Märztag und schon auf dem Weg zum Bärensee fing es leicht an zu regnen. Doch das hielt mich nicht davon ab, meine (damals noch) standardmäßige 6km-Runde zu starten.  Frisch und fröhlich startete ich meinen Lauf mit guter Musik auf den Ohren – und mittendrin passierte es: der Himmel öffnete sich und es begann zu schütten wie aus Eimern. Nach wenigen Minuten war ich klatschnass, ich hörte das Wasser in meinen Schuhen mit jedem Schritt. Und ich fühlte mich so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Es war ein großartiges Gefühl, quasi das erste Runner’s High* meines Lebens, auch wenn ich dafür nicht weit laufen musste.

Von diesem Moment an, war ich ins Laufen verliebt – und diese Liebe hat bis heute nicht aufgehört. Wie in der normalen Liebe gibt es auch hier Höhen und Tiefen. Aber am Ende des Tages weiß ich, wofür ich mich ab und an auch mal quälen muss. Und mit Radfahren und Schwimmen als Abwechslung wird das alles auch nicht langweilig.

Was könnt ihr für euch aus meiner Geschichte lernen, wenn ihr noch auf der Suche nach der Motivation für den Anfang seid:

  • Sucht euch ein Sport, der euch Spaß macht. Klingt einfach, ist es aber meistens nicht – bis man den Sport, den man wirklich liebt, gefunden hat, muss man meistens ein paar Anläufe starten
  • Übt die ausgewählte Sportart regelmäßig aus. Gerade beim Laufen sind die ersten Läufe nicht ganz so einfach, da der Körper dieses Gefühl einfach nicht gewöhnt ist. Sobald er sich aber daran gewöhnt hat, läuft alles, im wahrsten Sinne des Wortes, viel leichter. 3 x 30min pro Woche reichen für den Anfang vollkommen aus
  • Fangt langsam an. Und wenn ich langsam schreibe, dann meine ich langsam. Einer der größten Fehler, den Anfänger immer wieder machen, ist, zu schnell zu laufen. Lauft so langsam, dass ihr euch fühlt, als würdet ihr gar nicht laufen. Ihr solltet Angst haben, von der nächsten Oma mit Rollator überholt zu werden
  • Denkt an das Gefühl nach der Trainingseinheit, wenn ihr mal keine Lust habt. Nach dem Training fühlt man sich IMMER besser als vorher – ich habe noch niemanden gehört, dem es anders ging
  • Das wirksamste Mittel, um wirklich dabei zu bleiben, ist das Setzen eines Ziels. Ich habe mich damals zum Halbmarathon angemeldet. Es muss nicht gleich ein Halbmarathon sein – ein 5km-Lauf reicht aus. Und 5km schafft jeder nach ein paar Wochen regelmäßigen Trainings.
  • Musik kann euch helfen, während des Laufs motiviert zu bleiben (mir hat sie zumindest immer geholfen – probiert’s einfach aus)

Das waren ein paar einfache „Grundregeln“, die euch den Einstieg ins Laufen/in eure Sportart erleichtern. Solange ihr mit Spaß bei der Sache seid, besiegt ihr auch den inneren Schweinehund. Da bin ich mir sicher! Und nun: Schuhe schnüren und ab vor die Tür!

Und wenn Ovid („Aller Anfang ist schwer“) mal wieder die Oberhand gewinnt, kontert einfach mit Goethe:

Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fang damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

* Runner’s High, im Deutschen auch Läuferhoch genannt, bezeichnet ein beim Langstreckenlauf sowie in Einzelfällen beim Radsport auftretendes Hochgefühl. Der Sportler erlebt idealerweise einen schmerzfreien und euphorischen Gemütszustand, der ihn die körperliche Anstrengung vergessen lässt und ihm das Gefühl gibt, „ewig“ weiterlaufen zu können. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Runner%E2%80%99s_High)