„Warum nehmen Pälzer einen Stein und eine Schachtel Streichhölzer mit ins Bett?
Ganz einfach: mit dem Stein werfen sie das Licht aus, und mit den Streichhölzern schauen sie nach, ob sie auch wirklich getroffen haben.

Das ist nur einer von vielen Witzen, die die „gepflegte Rivalität“ zwischen Saarländern und Pfälzern anheizen. Was Köln für Düsseldorf ist, ist das Saarland für die Pfalz. Dennoch zieren sich mein Bruder und ich nicht, immer mal wieder an Laufveranstaltungen in der Pfalz teilzunehmen – und da Steffen sogar mittlerweile in der Pfalz seine zweite Heimat gefunden hat, bieten sich diese Veranstaltungen auch aus geographischen Gründen an.

Pfalztrail 2014 und gleichzeitig Saisonabschluss 2014 – wir kommen! Nach einem entspannten Abend mit gutem Essen und guten Gesprächen starteten wir am Samstag morgen Richtung Leiningerland in der Ostpfalz, um 32.7km mit insgesamt 770 Höhenmetern zurückzulegen. Unsere perfekt auf Effizienz getrimmte Zeitplanung erlaubte es uns, eine halbe Stunde vor Start des Events unsere Startunterlagen abzuholen. Nach dem Umziehen und dem Gang zum Start waren es dann nur noch fünf Minuten – genügend Zeit für ein kleines Pre-Race-Selfie.

Wie ihr seht, waren wir da noch richtig guter Dinge. Dann ging’s erstmal bergab – zunächst wirklich nur geographisch gesehen. Nach den ersten drei Kilometern stand dann die erste von fünf richtig knackigen Steigungen an, die uns die ersten 80 Höhenmeter einbrachte. Mit jugendlichem Leichtsinn zogen wir an vielen Mitläufern vorbei, die es entspannter angehen ließen als wir. So vergingen wie im Flug die ersten 12 Kilometer inkl. der 250 dazugehörigen positiven Höhenmeter. Ein paar Kilometer danach nahmen wir das Tempo raus und verpflegten uns – der Mann mit dem Hammer sollte an diesem Tag keine Chance haben. Damit war jedoch leider auch unser Rhythmus dahin und der Motor begann – obwohl er jetzt genügend Treibstoff hatte – zu stottern. Bergaufpassagen konnten wir oftmals nur noch gehend zurücklegen, was jedoch den charmanten Vorteil hatte, dass wir die großartige Landschaft genießen konnten. Bei einigen Trails war aufgrund der Kombination von rutschig und steil sowieso nicht ans Laufen zu denken. So bahnten wir uns unseren Weg durch den Pfälzer Wald und ließen es uns auch nicht nehmen, den ein oder anderen Schnappschuss zu machen:

domibility_pfalztrail

Bei Kilometer 18 erreichten wir die „große“ Verpflegungsstation, die wirklich alles zu bieten hatte, was das Läuferherz begehrt: neben Kartoffeln mit Salz und viel Obst gab es auch viele verschiedene Getränke. Doch auch dieser Treibstoff reichte uns nicht bis zum Ziel: ab Kilometer 25 wurde es wirklich hart für uns, die schönen Trails verlangten uns alles ab. Dennoch bissen wir uns gemeinsam durch und finishten das Ding letztendlich in 04:06:49h – die Pfalz wollte uns Saarländern an diesem Tag einfach nichts gönnen (hier seht ihr unseren Zieleinlauf).

Der Pfalztrail war wirklich ein tolles Event: die Organisation war großartig, die Verpflegungsstellen waren bestens ausgestattet, die Strecke war landschaftlich perfekt und super ausgeschildert und die Stimmung, gerade auf dem letzten Kilometer, war wirklich super. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, alte Bekannte wiederzusehen und mit neuen Gesichtern ins Gespräch zu kommen. Auch die Leistungen (der anderen) waren beeindruckend: der Sieger des Halftrails benötigte nur 02:28:48h und damit rund 01:40:00h weniger als wir. Den großen Bruder unserer Strecke (Ultratrail mit 85,6 Kilometern und 2440 Höhenmetern) finishte der Sieger in unglaublichen 07:31:05h.

Der Pfalztrail ist ein Event, das nach Wiederholung in 2015 schreit – auch wenn mein Bruder mir auf den letzten 10 Kilometern mehrfach versicherte, dass das nicht passieren wird. Im nächsten Jahr wird die Vorbereitung auch öfter zum Tragen des Trinkrucksacks genutzt, um einen Muskelkater in den Schultern wie den diesjährigen in Zukunft nicht mehr erleben zu müssen.

PS: Gerade eben habe ich mich für die „Lauf Instructor“-Ausbildung von Nordicfit am 15. und 16.11. in Düsseldorf angemeldet. Ich freu mich schon riesig und werde zu gegebener Zeit natürlich berichten.