Anfang April dieses Jahres war es endlich soweit: ich habe das Geburtstagsgeschenk meiner Freundin eingelöst. Und da meine Freundin mich in den meisten Fällen bei meinen sportlichen Aktivitäten unterstützt, hat sie mir einen großen Wunsch erfüllt und mir eine Leistungsdiagnostik bei einem Sportarzt in Köln geschenkt.

Meine Leistungsdiagnostik fand in Form einer Spiroergometrie statt. Hierbei werden während sportlicher Belastung (auf dem Ergometer oder auf dem Laufband) mit Hilfe einer Atemmakse die Atemgase analysiert, um mit Hilfe der ausgeatmeten Gase Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit zu ziehen.

Der Leistungszustand wird in diesem Fall durch die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 Max) bzw. durch die maximale Sauerstoffaufnahme in Relation zum Körpergewicht ausgedrückt. Dieser Wert gibt an, wie effektiv die Aufnahme, der Transport und die Verwertung von Sauerstoff im Organismus unter sportlicher Belastung sind. Die maximale Sauerstoffaufnahme ist dabei genetisch, durch das Lungenvolumen begrenzt und lässt sich somit nur bis zu einem gewissen Grad trainieren. Die dickste Lunge bringt aber nichts, wenn der aufgenommene Sauerstoff nicht ordentlich transportiert wird und in den Muskeln ankommt.

Da die maximale Sauerstoffaufnahme die Sauerstoffaufnahme unter Maximalbelastung darstellt, also den Moment, in dem man wegen Erschöpfung „aufgibt“, bringt dieser Wert allein für die Trainingssteuerung nur bedingt etwas. Während der Leistungsdiagnostik werden jedoch auf dem Weg zur VO2 max zwei Schwellen bestimmt: die ventilatorische Schwelle und die respiratorische Schwelle. Die ventilatorische Schwelle ist der Übergang vom aeroeben zum gemischt aerob-anaeroben Energiestoffwechsel, die respiratorische Schwelle der Übergang vom gemischt aerob-anaeroben zum rein anaeroben Energiestoffwechsel. Mit Hilfe dieser Schwellen und dem dazugehörigen Puls, können die verschiedenen Trainingsbereich bestimmt werden.

Unterhalb der ventilatorischen Schwelle schafft es unser Körper, genügend Sauerstoff aufzunehmen, um die Muskeln damit für die Belastung zu versorgen. Hier befinden sich der Regenerationsbereich, der Bereich der optimalen Fettverbrennung und der Bereich Grundlagenausdauer 1 (GA1). Je höher die Belastung wird, desto näher kommt der Körper der ventilatorischen Schwelle und desto schwerer wird es für ihn, den Muskeln genügend Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Übertreten dieser Schwelle stellt unser Körper die Energie für die muskuläre Arbeit nicht mehr nur über die Verbrennung von Fetten und Kohlenhydraten zur Verfügung. Es wird zusätzlich Energie über weitere Stoffwechselprozesse erzeugt, die jedoch eine erhöhte Milchsäureproduktion (Laktat) im Blut bedeuten und damit nach und nach zu muskulärer Erschöpfung führen. Zwischen dem ventilatorischen und dem respiratorischen Bereich befindet sich der Bereich Grundlagenausdauer 2 (GA2). Je näher wir unseren Körper an die respiratorischen Schwelle treiben, desto schwerer wird es für ihn, überhaupt noch ausreichend Sauerstoff zu den Muskeln zu transportieren.

Nach dem Übertreten der respiratorischen Schwelle gelingt ihm das nicht mehr. Diese Belastung halten wir in der Regel deshalb auch nicht besonders lange durch (denkt einfach an euren letzten Sprint…). Der Bereich oberhalb der respiratorischen Schwelle wird Entwicklungsbereich genannt.

Das war jetzt viel „wissenschaftliches“ Blabla. Was bedeuten die Werte aber in der Praxis für mich?

Mit dem absoluten (in Milliliter pro Minute angegebenen) und dem auf das Körpergewicht bezogenen (in Milliliter pro Minute pro Kilogramm angegebenen) VO2 Max Wert kann ich anhand von Normwerten meine Fitness im Vergleich zur Referenzgruppe einstufen. Ich erreiche mit einer absoluten Aufnahme von 4698ml/min 149% des Sollwertes meiner Referenzgruppe. Auf mein Körpergewicht von 75,6kg (am Tag der Leistungsdiagnostik gemessen) bezogen, ergibt sich eine Sauerstoffaufnahem von 62,1ml/min/kg, was ebenfalls 149% meiner Referenzgruppe bedeutet. Diese Werte sagen mir, dass ich in den letzten Jahren meines Trainings nicht alles falsch gemacht habe. Die Referenztabelle für Sportler hat mich jedoch etwas frustriert dreinblicken lassen:

Spitzensport (20-35h/Woche)Leistungssport (10-20h/Woche)Fitnesssport (4-10h/Woche)
Skilangläufer85-9075-8555-65
Läufer83-8870-8055-65
Radsportler82-8667-7850-60
Triathleten78-8467-7855-65

Ich gehöre also unter den Sportlern zu den Fitnesssportlern – das klingt für mich so, wie wenn man ab und an, ausgerüstet mit Stirnband und Baumwollshirt, die alten, eigentlich ausrangierten Hallenschuhe auspackt, um damit laufen zu gehen. Aber damit muss ich wohl leben.

Was sowieso viel interessanter für mein Training ist als der VO2 max Wert, sind die zuvor beschriebenen Schwellen. Meine ventilatorische Schwelle befindet sich bei 3872ml/min, was 82% meiner VO2 max entspricht und damit ein extrem guter Wert ist. Das bedeutet, dass ich relativ hohe Belastungen (82% meiner Maximalbelastung) recht lange durchhalten kann.

Weiterhin ist es durch die Messung des Pulses und die Bestimmung der ventilatorischen und respiratorischen Schwelle möglich, die verschiedenen Trainingsbereiche zu bestimmen. Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

TrainingsbereichHerzfrequenz / min
1. Regenerationsbereichbis 120
2. Optimaler Fettverbrennungsbereich110-130
3. Grundlagenausdauer 1130-140
4. Grundlagenausdauer 2140-160
5. Entwicklungsbereichüber 160

Stand der aktuellen Forschung ist, dass man 80% der Zeit seines Trainings in den unteren drei Bereichen und nur 20% im GA2 und Entwicklungsbereich absolvieren soll. Darauf werde ich aber in einem späteren Eintrag genauer eingehen.

Fazit:
Wer gezielt sein Training steuern und kontrollieren möchte, kommt in der Regel nicht um eine Leistungsdiagnostik herum. VO2 max ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber sie ist zumindest ein Anhaltspunkt für die generelle Leistungsfähigkeit. Die Bestimmung der verschiedenen Trainingsbereiche ist ein geniales Hilfsmittel, um noch gezielter zu trainieren. Was der Wert der maximalen Sauerstoffaufnahme natürlich nicht berücksichtigt ist die mentale Leistungsfähigkeit. Diese wird meiner Meinung nach oft stark unterschätzt und spielt eine sehr große Rolle, wenn es darum geht, über seine eigenen Grenzen zu gehen. Auch diesem Thema werde ich sicherlich einen Eintrag widmen.

Habt ihr noch Fragen zur Spiroergometrie? Habt ihr auch schon mal eine solche Leistungsdiagnostik durchführen lassen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich auf eure Rückmeldung.

PS: Viele Krankenkassen zahlen einen gewissen Beitrag zu einer „erweiterten sportärztlichen Untersuchung“. Am besten informiert ihr euch hier vorab (die TK hat bei mir 120 von 220€ übernommen).