Da bin ich wieder. Das ist mein zweiter Artikel seit dem 16. Juli 2015. Am Tag danach bin ich auf meinen ganz persönlichen Jakobsweg aufgebrochen. 100 Tage sollten es werden, 88 Tage wurden es letztendlich. Damit war mein Jakobsweg die längste Reise, die ich jemals unternommen habe. 

88 Tage war ich unterwegs. 88 lehrreiche Tage ohne meine Freundin und größtenteils ohne Familie und Freunde. 88 Tage voller neuer Erfahrungen und ungewohnter Situationen. 88 Tage mit vielen neuen Bekanntschaften, tollen Gesprächen und ganz viel Einsamkeit. Die 88 Tage haben mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise geprägt. Nachfolgend möchte ich mit euch die sechs wichtigsten Erkenntnisse meiner Reise teilen:

1. Sei du selbst – Du bist schon wer

Ich habe unterwegs immer wieder gemerkt, dass ich in Gesprächen mit anderen Menschen nicht 100% zu mir selbst stehe: gerade im Zusammenhang mit der Kündigung meines Jobs und meiner weiteren beruflichen Zukunft hatte ich oft Probleme, offen mit Pilgern meiner Elterngeneration zu sprechen. Danach habe ich mich dann immer geärgert, dass ich nicht zu mir und meiner bewussten Entscheidung selbstbewusst gestanden bin, aus Angst, Erwartungshaltungen von anderen nicht erfüllen zu können. Dabei sind die anderen vollkommen egal. Ich bin ich, Du bist Du und wir beide sind nicht auf dieser Welt, um die Erwartungshaltung anderer zu erfüllen, sondern um unser Leben zu leben und daraus unser Glück zu schöpfen.

2. Du bist nicht allein

Ich bin ein Mensch, der nur sehr schwer über Gefühle, Ängste und Sorgen reden kann. Oftmals, wenn mir etwas Schlimmes passiert ist oder ich mich, egal in welcher Situation, ungerecht behandelt fühlte, dachte ich, dass ich der einzige benachteiligte Mensch auf dieser Welt bin. Das ist natürlich totaler Quatsch – die Welt dreht sich weder um mich noch um Dich. Sie ist ein Wechselspiel dessen, was wir und andere aus unserem Leben machen. Das wurde mir in vielen Gesprächen auf dem Jakobsweg bewusst: viele Menschen haben die gleichen Sorgen und Ängste wie ich.

3. Emotionen gehören zu dir

Wir haben Emotionen. Emotionen machen sogar einen großen Teil unserer Persönlichkeit aus. Wir empfinden Freude, Hoffnung, Glück, Dankbarkeit, Bewunderung und Stolz aber auch Trauer, Leid, Zorn, Scham, Neid und sogar Hass. Oftmals sind andere Menschen die Auslöser solcher Emotionen, wir selbst sind jedoch dafür verantwortlich, wie wir damit umgehen. Wir können uns von den Emotionen bestimmen lassen oder wieder lernen, diese Emotionen wahrzunehmen und richtig mit ihnen umzugehen. Das scheinen viele von uns, inklusive mir, in unserer modernen Welt verlernt zu haben, falls wir es überhaupt jemals richtig gelernt haben. Auf dem Jakobsweg habe ich täglich verschiedene Emotionen durchlebt. Hätte ich mich immer von ihnen bestimmen und leiten lassen, hätte ich meine Reise schon innerhalb der ersten ersten zehn Tage abgebrochen.

4. Kopf schlägt Körper

Unsere Gedanken bestimmen darüber, was unser Körper macht und wie er sich fühlt. Das haben wir alle schonmal gehört. Du bestimmt auch, oder? Ich entdecke mich oft dabei, zunächst zu überlegen, was Schlechtes passieren könnte oder wieso ein Plan nicht funktionieren wird. Damit programmieren wir uns selbst schon darauf, dass es nicht funktioniert. Gerade auf dem Jakobsweg habe ich gemerkt, wie wichtig unsere eigenen Gedanken sind. Wenn der Kopf mitgespielt hat und ich es schaffte, positiv zu denken und offen für neue Erfahrungen zu sein, waren sowohl das Gehen als auch der Weg eine wahre Wohltat. Es hat Spaß gemacht, in der Natur unterwegs zu sein und mit anderen Menschen zu kommunizieren – unabhängig vom Wetter. Wenn ich es nicht geschafft habe, die zweifelnde Stimme in meinem Kopf durch positive Gedanken abzuschalten, zogen sich die Tage, ich hatte wahlweise in den Füßen, den Beinen, dem Rücken, den Schultern oder überall Schmerzen und jeder Schritt war eine Qual.

5. Vertraue auf Dich selbst

Selbstvertrauen bedeutet, auf sich selbst vertrauen. Der Duden sagt über das Wort Selbstvertrauen folgendes: „jemandes Vertrauen in die eigenen Kräfte, Fähigkeiten“. Das finde ich paradox, denn Selbstvertrauen nur auf „Kräfte“ und „Fähigkeiten“ zu beziehen, ist mir einfach nicht genug. Gerade hier spielen Emotionen und Gefühle eine wichtige Rolle. Der Körper ist ein Wunderwerk der Natur (auch das durfte ich auf dem Jakobsweg täglich feststellen). Oftmals habe ich den Zeichen und Hinweisen dieses Wunderwerks nicht vertraut. Dabei weiß der Körper ganz genau, was er benötigt. Die Zeichen, die Dein Körper sendet, wahrzunehmen, zu verstehen und dann auch nach ihnen zu handeln: das gehört ebenso zum Selbstvertrauen wie das Vertrauen auf die eigenen „Kräfte“ und „Fähigkeiten“. Auch ich habe am Anfang des Weges diese Zeichen mehrmals ignoriert, was sich anschließend in körperlichen Schmerzen und mentaler Schwäche bemerkbar machte.

6. Liebe ist alles

Das ist meine wichtigste Erkenntnis überhaupt. „Es geht immer nur um die Liebe.“ Genau das sagte eine Dame, mit der ich beim Abendessen ein nettes Gespräch führte. Und je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr gebe ich ihr Recht. Am Anfang habe ich noch erwidert: „Und es geht ums Leben. Viele leben ihr Leben nicht, sondern erfüllen die Erwartungen von anderen und von der Gesellschaft.“ Doch das „Leben leben“ drückt sich genau darin aus, dass Du das tust, was Du liebst und das liebst, was Du tust. Dass Du liebst, wer Du selbst bist. Dass Du Dich mit Menschen umgibst, die Du liebst. Zu lieben und Liebe zu erfahren, ist wahrscheinlich das größte Glück, das Du auf Erden erleben kannst.

Du merkst sicher, dass meine Reise auf dem Jakobsweg einiges in mir bewegt hat. Die Erkenntnisse sind prinzipiell jedem bewusst – und doch leben die meisten von uns nicht nach ihnen. Auch ich bin kein Profi im Leben der oben genannten Erkenntnisse. Sich diese Dinge jedoch immer wieder aktiv ins Bewusstsein zu rufen, ist ein erster Schritt, um sie umzusetzen.

Was denkst Du über meine Erkenntnisse? Erkennst Du Dich darin wieder? Sag’s mir mit einem Kommentar!

Außerdem bin ich schon ganz aufgeregt wegen des 28. Novembers 2015. Um 18:30 Uhr werde ich an diesem Tag im Vivobarefoot Flagship Store Köln meine Reise noch einmal Revue passieren lassen, und Du kannst dabei sein. Ich freue mich, wenn Du kommst. Zur besseren Planung der Teilnehmeranzahl bitte ich Dich, bei der Veranstaltungseinladung (https://www.facebook.com/events/1724722007747088/) auf Facebook zuzusagen, falls Du vorbeischauen möchtest. Vielen Dank!

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