Letzte Woche hatte ich das Vergnügen mit meinen Kumpels Peter und Christopher sechs Tage lang die Alpen mit dem Mountainbike unsicher zu machen. Wochenlang hatten wir immer wieder gemeinsam die Reise einigermaßen akribisch geplant, um die Zeit voll nutzen und genießen zu können.

Montag starteten wir planmäßig nach meinem Feierabend von Stuttgart Richtung Ehrwald in Österreich, wo wir die erste Nacht in unserem luxuriösen Wohnmobil verbringen und uns noch das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Algerien anschauen wollten. Gesagt, getan – alles lief nach Plan und so konnten wir am Dienstag zu unserer ersten Tour starten.

Diese Tour führte uns bei strahlendem Sonnenschein von Biberwier aus um den Wannig herum. Der Wannig ist mit 2.493 Metern der höchste Berg der Mieminger Kette. Die Tour bot auf 36 Kilometern und insgesamt 1.390 Höhenmetern alles, was man von einer MTB-Tour erwartet – grüne Wiesen, steile, steinige Anstiege und knackige und nicht ganz so technisch anspruchsvolle Abfahrten. Das war gerade in Anbetracht dessen, dass ich zum ersten Mal richtig mit dem MTB unterwegs war, ein perfekter Einstieg für mich. Schon nach den ersten Höhenmetern prägte Peter den kompletten Urlaub. Sein Satz „Ihr müsst die Höhenmeter lieben lernen.“ wurde zu unserem Leitspruch, der uns das ein oder andere Mal Erheiterung bescherte, bei zu regelmäßigem Gebrauch jedoch auch schnell ins Gegenteil umschlagen und Aggression hervorrufen konnte. Ziemlich platt, aber voll zufrieden kamen wir am späten Nachmittag wieder am Wohnmobil an, um aufzubrechen Richtung Nauders.

Der Campingplatz in der Nähe von Nauders war schnell erreicht und bezogen. Danach bauten wir den Grill auf und nahmen ihn in Betrieb, um die leeren Energiespeicher wieder aufzufüllen. Anschließend machten wir uns an die Regeneration – schlafend versteht sich. Vom Campingplatz zogen wir am nächsten Morgen weiter, um von einem Parkplatz aus eine Runde in Nauders zu drehen. Hier hatten wir über fünf Kilometer einen Anstieg von knapp 800 Metern. Auf 2.200 Metern Höhe gab es einiges zu sehen: Bergseen, deren Wasser glasklar war und in der Sonne wundervoll funkelte, und Schieß- bzw. Grenzanlagen aus dem 1. Weltkrieg. Anschließend ging es an eine steinige Abfahrt – ziemlich lang fuhren wir jedoch nicht, da sich schon nach ein paar Metern mein Hinterreifen mit einem lauten Knall verabschiedete. Ich hatte anscheinend einen wirklich spitzen Stein mitgenommen, der ein Loch so groß wie die Fingerkuppe meines kleinen Fingers in meinen Mantel und meinen Schlauch gerissen hatte. Nachdem die Support Crew in einer Rekordzeit den Reifen gewechselt hatte (danke nochmal für die Hilfe!) machten wir uns an die weitere Abfahrt, um schließlich mit einem genialen Blick auf den Reschensee und einer Fahrt an diesem vorbei die Tour zu beenden.

Nachdem alle Räder wieder im Wohnmobil verstaut waren, zogen wir bei bedingt gutem Wetter los Richtung Schweiz. Dort wurden wir an der Grenze nochmal fünf Minuten aufgehalten und mit komischen Fragen bombadiert, bevor wir dann endlich in Lenzerheide unseren Campingplatz beziehen konnten. Hier war das Wetter richtig schlecht und wir hatten schon Bedenken, dass wir am nächsten Tag nicht mit dem Rad unterwegs sein können. Der Wetterbericht versprach Besserung – und es wurde besser.

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir am nächsten Tag los, um zunächst einmal 600 positive Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Mit dem Lift. Man könnte jetzt denken wir sind Weicheier – aber weit gefehlt: Wir haben uns unsere Konzentration für die Abfahrt aufgehoben, um die Höhenmeter erst im späteren Verlauf des Tages zurückzulegen. Das herrliche Panorama auf 2.400 Metern war atemberaubend und mehr als ein Foto wert. Die Abfahrt war mindestens genauso atemberaubend – manchmal lag es jedoch eher an den sehr anspruchsvollen Trails als an der dennoch genialen Landschaft drumherum. Es ging über enge Wiesentrails, steinige Abfahrten und manchmal auch über ein wenig geteerte Wege. Wir befanden uns jedoch weit abseits vom Alltagstrubel der großen Stadt in einer idyllischen Natur, die eine Ruhe ausstrahlte, wie sie eben nur die Natur vermitteln kann. Nach einer sehr langen und interessanten Abfahrt waren wir schließlich im Tal in Chur auf knappen 600 Metern Höhe, wo wir uns erst einmal mit einem alkoholfreien Weizenbier belohnten und eine kleine Stärkung zu uns nahmen. Anschließend gab es nämlich nochmal 900 Höhenmeter bis zum Campingplatz zurückzulegen. Als wir dort ankamen waren wir nur noch in der Lage zu Grillen und fielen anschließend ins Bett.

Der vierte Tag war geprägt von Wohnmobilfahren und Fußball schauen. Auf dem Weg nach Locarno kamen wir zurück in den Winter und sahen den ersten Schnee des Sommers. Bei der Überquerung einiger Pässe zeigte das Thermometer auch mal gut und gerne Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich. Auch in Locarno war das Wetter leider nicht viel besser – dort regnete es in Strömen und das machte uns sowohl ein Bad im Lago di Maggiore als auch eine kleine Radrunde unmöglich. Deshalb konzentrierten wir uns darauf, Deutschland beim Spiel gegen Frankreich zu unterstützen, was im Nachhinein gesehen ja auch sehr gut funktioniert hat.

Am letzten Aktivtag mussten wir dann mal wieder die Tücken des Fahrradnavis bzw. der dafür auf diversen Internetplattformen herunterladbaren Tracks erleben. Die anfängliche Auffahrt war anstrengend aber recht angenehm, da sie uns über asphaltierte Straßen von 200 auf 1.200 Meter Höhe führte. Die „schönen Trails“, die auf der Website zu der Route beworben wurde, waren leider für uns komplette Tragepassagen, da die Strecke nass, stark verwurzelt und gepflastert mit dicken Steinen war. Von den anschließenden, steil abfälligen Serpentinen ließen wir uns dann doch noch gnädig stimmen und so rollten wir mit teilweise mehr als 50km/h auf dem Tacho gen Locarno Downtown. Nach einer kurzen Stärkung am Campingplatz machten wir uns noch einmal auf den Weg in die schöne Altstadt von Locarno, um den Abschluss unseres Urlaubs zu feiern, denn am folgenden Tag ging es schon wieder zurück nach Stuttgart.

Fazit: MTB fahren in einem Gebirge ist um einiges cooler als im Flachland von Köln. Es war wirklich ein super Urlaub mit einer coolen Truppe in einer genialen Landschaft.

Anbei noch einmal unsere grandiosen Leistungen im Überblick:

ZeitDistanzHöhenmeterØ-HFMax. HFKalorien
Runde in Ehrwald03:17:1036,011.3901301641.687
Nauders01:55:5423,239101291641.065
Lenzerheide04:24:5451,681.3111171561.721
Locarno04:28:2952,281.4821191581.873
Gesamt14:06:27163,25093