Bis zu 45 Stunden pro Woche trainieren: insgesamt 1.100 bis 1.200km Schwimmen pro Jahr, 15.000km Rad fahren und ca. 5.000km laufen. Das klingt für mich irgendwie surreal (gerade wenn ich mir meine Werte aus 2014 anschaue). Für Dich auch? Und doch gibt es im Profi-Triathlon Athleten, die ein solches Pensum absolvieren. Einer von ihnen ist Jan Frodeno. Der gebürtige Kölner hat sich schon lange in der Weltspitze des Triathlons etabliert und ist in jedem Rennen, welches er bestreitet, automatisch auch Favorit.

Jan Frodeno wurde am 18. August 1981 in Köln geboren und startete seine sportliche Karriere als Schwimmer. Im Jahr 2000 wechselte er zum Triathlon und wurde 2008 Olympiasieger in Peking. Am Sonntag gewann er die Ironman-EM in Frankfurt bei über 40°C gegen hochkarätige Konkurrenten. Kein Wunder, dass ihm die Hitze nichts ausmacht bei einem Wohnsitz in Australien – wo seine Frau geboren wurde – und einem Wohnsitz in Spanien.

Doch wie kommt ein Mensch mit solchen körperlichen und mentalen Herausforderungen zurecht? Wird der Sport nicht irgendwann zur Belastung und ist „kein Hobby“ mehr, sondern ein knallharter Knochenjob? Diese Fragen stelle ich mir häufig. Und Jan Frodeno weiß sie zu beantworten. Sein Sponsor ASICS gibt mit seiner „made of sport“-Videoserie einen ungewöhnlichen Einblick in die Gedankenwelt und den Tagesablauf verschiedener Athleten. Und der WM-Dritte von 2014 macht seinen Job als Protagonist im Video sehr sehr gut, wie ich finde. Doch schau selbst.

Lass‘ das Video erstmal auf Dich wirken! Was denkst Du? Was fühlst Du? Wie gefällt es Dir?

What’s in it for you?

Jan Frodeno ist dafür bekannt, sehr hart zu trainieren. Und seine Erfolge geben ihm Recht. Dass er dem Sport jedoch nicht nur seinen Lebensunterhalt verdankt, sondern noch viel mehr, erfährst Du im Video. Einige Zitate daraus finde ich besonders lehrreich.

„Mein Sport hat mir geholfen, eine Identität zu finden. Es ist etwas, was ich jeden Tag mache. Es ist meine ganz große Leidenschaft und erfüllt mein Leben.“

Viele Menschen tun nicht das, was ihre große Leidenschaft ist und was ihr Leben erfüllt, sondern etwas, was irgendwann einmal aus irgendeinem Grund Sinn gemacht hat – ich habe das vor ca. einem Jahr in einem Beitrag bereits angesprochen. Wenn Du aber nicht das tust, was Deine Leidenschaft ist und Dein Leben erfüllt, kannst Du Dich auch nicht damit identifizieren. Jan geht es, wie wohl den meisten Sportlern, anders. Natürlich kann er sehr gut davon leben – die Zeiten waren jedoch, gerade im Triathlon, nicht immer so gut und ich bin mir sicher, dass auch Jan viele Tiefen durchlebt hat – dennoch ist er dem Sport und damit seiner Leidenschaft immer treu geblieben und das zahlt sich nun aus.

„Oft gibt es Tage, an denen ich lieber auf der Couch sitzen bleiben würde und trotzdem muss ich raus und überwinde mich. Und dann nach 10, 15min finde ich meinen Rhythmus und es läuft richtig gut.“

Dieses Zitat zeigt für mich den Willen, den Du aufbringen musst, um Dein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Jan nimmt Dir und mir die Illusion, dass Profis immer hoch motiviert sind und sich rund um die Uhr an dem erfreuen, was sie tun. Aber gerade, wenn Du es schaffst, Deinen Schweinehund in den von Jan angesprochenen Momenten zu besiegen und ihm nicht die Oberhand zu schenken, bist Du gewappnet für „schlechte“ Tage, an denen es einfach nicht so laufen will. Und seien wir ehrlich: bist Du jemals von einer Laufrunde oder einem anderen Training zurückgekommen und dachtest: „Oh scheiße, diese Mal wäre ich lieber auf der Couch sitzen geblieben?“

„Sport ist einer der wenigen ehrlichen Maßstäbe im Leben, wenn du gegen deine Gegner antrittst und gegen die Stoppuhr. Manchmal ist er gnadenlos ehrlich, an anderen Tagen absolut fantastisch.“

Genau das, was Jan hier beschreibt, fühle ich 1:1 nach. Ich habe oft genug im Berufsleben erlebt, dass keine ehrlichen Maßstäbe angesetzt wurden und nicht Leistung sondern Sympathie, Beziehungen oder andere Faktoren für eine Beförderung entscheidend waren. Der Sport ist anders – wenn Du trainierst und beim nächsten Wettkampf eine persönliche Bestleistung aufstellst, weißt Du, dass das Training richtig war und es Dich besser gemacht hat. Wenn die Stoppuhr beim Halbmarathon 1:29:59h anzeigt, weißt Du, dass Du unter 1:30:00h einen Halbmarathon laufen kannst. Das ist objektiv mess- und vergleichbar. Hier bringt Dir weder Vitamin B noch Dein außergewöhnlicher Charme etwas. Das macht manche Tage so hart und andere so fantastisch.

„Eines der besten Dinge am Sport ist die Intensität und die Vielfalt der Gefühle, die du durchlebst.“

Auch das hat wahrscheinlich jeder Sportler schon durchlebt. Bist Du schonmal bei einem großen Event unter tosendem Applaus ins Ziel eingelaufen? Dabei läuft es selbst den Hartgesottenen eiskalt den Rücken runter und eine Gänsehaut zeichnet sich ab. Und das, obwohl davor oftmals die Qual steht. Wer den letztjährigen Ironman in Frankfurt verfolgt hat, weiß, dass Jan diese Aussage nicht einfach nur so macht. Er hatte während des Rennens nur Pech – ein gerissener Neo, zwei platte Reifen und Krämpfe während des Marathons, die ihn immer wieder zu Dehnpausen gezwungen haben – dennoch ist er am Ende auf Rang 3 gelaufen – eigentlich eine unglaubliche Leistung.

© frodeno.com

Ich wette, er hat während dieses Wettkampfs die volle Gefühlsbandbreite erlebt. Genau solche Gefühle machen das Leben jedoch aus – nicht nur den Sport. Ich erlebe, dass wir oft dazu angehalten werden, unsere Gefühle nicht offen zu zeigen. Das sollten wir alle gemeinsam ändern – Gefühle sind etwas enorm Wichtiges und Gefühlsausbrüche gehören zum Leben dazu, genauso wie das Atmen. Auch Gefühle wie Trauer, Angst oder Schmerzen sind menschlich und wir alle sollten uns nicht schämen, diese Gefühle offen zu zeigen (solange wir damit niemandem Schaden zufügen).

„Ob du Profi bist oder Amateur, das wichtigste ist es, nie zu vergessen, dass du es tust, weil du es liebst.“

Besser kann niemand ein solches Video beenden. Dieser Satz von Jan zum Abschluss fasst noch einmal zusammen, worum es im Sport und auch im Leben geht. Tue das, was Du liebst, denn sonst tust Du es nie mit 100%iger Hingabe und Leidenschaft. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, weißt Du, dass das Leben viel zu kurz ist, um es mit Dingen zu verbringen, die Du nicht magst. Leider werden in unserer Gesellschaft oft andere Dinge in den Vordergrund gestellt.

Kanntest Du Jan Frodeno schon vor meinem Artikel? Wie findest Du sein Video?

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