Meine Reise auf dem Jakobsweg hat mein komplettes Jahr 2015 bestimmt. Ich habe bereits im März mit meiner Jakobsweg-Vorbereitung begonnen, habe Unmengen an Büchern und Blogs zu dem Thema gelesen und war anschließend 88 Tage auf meiner Reise von Köln nach Finisterra ans Ende der Welt. Dieses Abenteuer hat mein Leben verändert und wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Ich bin gestärkt von dieser Reise zurückgekehrt mit vielen Erkenntnissen, von denen ich einige bereits mit Dir geteilt habe. Eine gute Vorbereitung ist für mich ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Reise auf dem Jakobsweg – warum das so ist und welche Fragen Du im Vorhinein klären solltest, erfährst Du in meinem heutigen Artikel.

Die Worte Jakobsweg und Planung in einem Satz zu nennen, klingt zunächst ziemlich widersprüchlich. Schließlich gehen viele auf diesen Weg, um endlich mal nicht jeden Tag von morgens bis abends nach einem festen Plan zu leben und selbst die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Um es mit den Worten meines Weggefährten Maarten zu sagen: „Go with the flow.“ Sobald Du unterwegs bist, spricht auch absolut nichts dagegen, es genau so zu tun. Dennoch gibt es einige Fragen, die Du Dir im Voraus beantworten solltest, damit Dein Jakobsweg-Erlebnis mindestens genauso gut wird wie meines.

Die folgenden 8 Fragen solltest Du bei Deiner Jakobsweg-Vorbereitung klären:

 

1. Wie viel Zeit steht Dir zur Verfügung?

Zeit ist ein wichtiges Gut. Die meisten von uns haben nicht unbegrenzt Zeit und können nicht einfach mal drei Monate auf Jakobswegen unterwegs sein. Deshalb ist die wirklich zentrale Frage, wie viel Zeit Du Dir für Deine Reise auf dem Jakobsweg nehmen willst oder kannst. Diese Frage ist richtungsweisend für die komplette Reise.

Meine Erfahrung: 3 Wochen sollten es mindestens sein. Bezüglich der Maximaldauer habe ich keine Empfehlung – 88 Tage waren mir auf jeden Fall immer noch nicht zu lange.

2. Wie viel Budget steht Dir zur Verfügung?

Ebenfalls richtungsweisend ist die Frage nach dem Budget, welches Du bereit bist, für den Jakobsweg auszugeben. Ich habe unterwegs Menschen getroffen, die mit 7€ / Tag (!!!) geplant haben. Ich habe insgesamt (mit den Zugfahrten nach Hause) rund 46€ / Tag benötigt. Zwischen 7€ und 46€ liegt ein sehr großer Unterschied. Deshalb bestimmt auch Dein Budget Deine weitere Planung. Diese Frage geht einher mit der Frage, wo Du übernachten möchtest (siehe unten).

Meine Erfahrung: Geißel Dich nicht mit einem zu kleinen Budget, denn Ernährung und Regeneration unterwegs sind wichtig. 46€ / Tag ist jedoch schon ein sehr hoher Betrag (der vor allem von den teuren Unterkünften in DE/FR herrührt).

3. Was willst Du erreichen?

Genauso wie das Budget bestimmt auch das, was Du mit Deinem Jakobsweg für Dich persönlich erreichen willst, die weitere Planung. Zur Erreichung Deines persönliches Ziels solltest Du Dir beispielsweise folgende Fragen stellen: Willst Du vor allem allein für Dich unterwegs sein oder suchst Du aktiv die Gesellschaft von anderen? Gehst Du den Weg aus religiösen Gründen oder einfach nur weil es Dir Spaß macht? Bist Du eher sportlich unterwegs und willst möglichst schnell die Strecke zurücklegen oder treibst Du eher selten Sport und die tägliche Streckenlänge ist Dir vollkommen egal?

Meine Erfahrung: Wenn Du allein unterwegs sein willst, empfehle ich die Jakobswege in Deutschland. Auf den Wegen in Deutschland habe ich nicht einen einzigen Pilger unterwegs getroffen. Um möglichst vielen Menschen zu begegnen, ist der Camino Francés sicherlich der richtige. Einen „Mittelweg“ bietet der Küstenweg, der jedoch körperlich etwas anspruchsvoller ist als der Camino Francés.

4. Wo willst Du starten?

Der bekannteste Startort für den Jakobsweg ist Saint-Jean-Pied-de-Port direkt an der spanischen Grenze. Von dort starten viele Pilger auf den Camino Francés. Um auf den Camino del Norte, also den Küstenweg zu gelangen, starten Pilger gewöhnlicherweise in Irun. Irun befindet sich bereits in Spanien, jedoch ebenfalls direkt an der Grenze zu Frankreich. Es gibt in ganz Europa Jakobswege, d.h. Du bist nicht an diese Startorte gebunden, sondern kannst oftmals direkt vor der Haustür starten. Natürlich ist es auch möglich, Teilstücke des Weges zurückzulegen und beispielsweise jedes Jahr zwei Wochen auf dem Jakobsweg zu verbringen. Finde Deinen Weg!

Meine Erfahrung: Für mich war es großartig, einfach mit meinem Rucksack aus der Haustüre zu gehen und zu starten. Ich halte das für eine tolle Art, eine Reise zu beginnen. Hast Du Dich jedoch für einen der Wege in Spanien entschieden und hast nur wenig Zeit, bleibt meistens nur die Anreise per Zug oder Flug übrig.

5. Welchen Weg möchtest Du gehen?

Bevor ich angefangen habe, mich mit meiner Reise zu beschäftigen, war der Jakobsweg für mich immer ein Weg in Spanien. Wie bereits in der vorherigen Frage erwähnt, gibt es jedoch in ganz Europa Jakobswege. Der am meisten frequentierte Weg ist der besagte Camino Francés, der vor allem durch Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“* bekannt wurde. Daneben gibt es jedoch auch in Spanien einige andere Wege, wie beispielsweise den Camino del Norte (Küstenweg) oder den Camino Primitivo. Jeder Weg hat seinen eigenen Reiz und seinen eigenen Schwierigkeitsgrad. Auch deshalb halte ich es für wichtig, sich aktiv für einen Weg zu entscheiden.

Meine Erfahrung: Ich habe mich für den linksrheinischen Jakobsweg in Deutschland entschieden, weil ich einen Zwischenstopp bei meinem Bruder und meiner Familie einlegen wollte. Danach habe ich den Weg von Metz nach Le Puy gewählt, weil ich eine sportliche Herausforderung gesucht habe – und die hat man auf diesem mit seinen ständigen Auf- und Abstiegen definitiv. Den Küstenweg in Spanien habe ich aufgrund seiner Nähe zum Meer gewählt. 

6. Wo willst Du übernachten?

Übernachtungen gestalten sich auf dem Jakobsweg sehr unterschiedlich. Von Hotel und Hostel über Herberge bis hin zum Zelt oder dem Schlafen unter freiem Himmel ist nahezu alles möglich. Diese Frage geht zum einen mit der Frage nach dem Budget einher (siehe oben), zum anderen auch mit der Frage nach Deinen Vorlieben. Wenn Du beispielsweise Angst hast, allein zu zelten, ist das keine geeignete Alternative für Dich (es sei denn, Du möchtest lernen, mit dieser Angst umzugehen).

Meine Erfahrung: Ich habe mich dafür entschieden, in Hostels / Hotels / Herbergen zu übernachten. Durch die teuren Preise in Deutschland und Frankreich kommen so jedoch auch die 46€ / Tag zustande, die ich benötigt habe. Wenn ich den Weg noch einmal gehen würde, würde ich auf jeden Fall ein Zelt mitnehmen, denn damit lässt sich viel Geld sparen.

7. Wie weit möchtest Du täglich gehen?

Aus der Kombination des von Dir gewählten Startortes und Weges, entsteht die Strecke, die Du insgesamt zurücklegen wirst. Kombiniert mit der Dir zur Verfügung stehenden Zeit, kommst Du schnell auf die Kilometerleistung, die Du im Durchschnitt täglich absolvieren musst. Ein Beispiel: Ich hatte mich für den Start vor meiner Haustür entschieden und mit den Wegen, die ich ausgewählt habe, kam ich so auf ca. 3.160km. Da ich geplant hatte, 100 Tage unterwegs zu sein, kam ich so auf eine durchschnittliche tägliche Kilometerleistung von ca. 32km.

Meine Erfahrung: Wenn Du sportlich bist, stellen 32km täglich kein Problem für Deinen Körper dar, wenn Du Dich erst einmal an das Gehen gewöhnt hast. Ich empfehle Dir jedoch, eher konservativ zu planen und mit 15 – 25km zu rechnen. So kannst Du den Weg entspannt angehen und ihn wirklich genießen.

8. Mit wem möchtest Du gehen?

Möchtest Du den Weg allein bestreiten oder doch lieber gemeinsam mit einem Familienmitglied, einem Freund oder sogar einem Fremden? Ich habe unterwegs quasi alle möglichen Kombinationen gesehen, am häufigsten habe ich jedoch Menschen getroffen, die alleine gestartet sind, um unterwegs Freundschaften zu schließen und gemeinsam den Weg zu gehen. Dabei ist es auf dem Jakobsweg ganz normal, dass sich solche „Reisegemeinschaften“ bilden und wieder auflösen, was einen gewissen Reiz hat, da man so viele verschiedene Charaktere kennenlernen kann.

Meine Erfahrung: Ich empfehle, alleine loszugehen. Die Zeit, in der ich allein in Deutschland und Frankreich unterwegs war, war für mich persönlich am wertvollsten. Nur so hatte ich viel Zeit, um darüber nachzudenken, was bisher in meinem Leben so passiert ist und welchen Weg ich zukünftig einschlagen will. Dennoch habe ich unterwegs immer wieder Strecken mit anderen Menschen gemeinsam zurückgelegt und konnte so viele Bekanntschaften machen und Freundschaften schließen. Letztlich musst Du Dich jedoch auf Deinem Weg wohlfühlen und wenn Du das alleine nicht tust, solltest Du darüber nachdenken, jemanden mitzunehmen oder in einer Gruppe zu reisen. Falls Dich das Reisen in der Gruppe interessiert, solltest Du mal bei meinem Freund Christoph vorbeischauen: http://jakobsweg-kuestenweg.com/rucksackreise-zu-dir/

Es gibt viele Dinge, die spontan kommen und die Du auch noch unterwegs klären kannst. Auch die Frage nach dem Equipment kannst Du erst beantworten, wenn Du die vorherigen Fragen für Dich geklärt hast. Dabei geht es gar nicht um eine übermäßige Planung, sondern darum, richtungsweisende Entscheidungen für Deinen ganz persönlichen Jakobsweg vor der Abreise zu treffen.

Welche essentiellen Fragen fehlen Dir in der Auflistung noch? Hast Du andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

*Wenn Du über diesen Link einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für Dich bleibt der Preis natürlich der gleiche!

Und noch etwas Werbung in eigener Sache: am Samstag, den 16.01.2016 werde ich im Vivobarefoot Flagship Store in Köln erneut einen Vortrag über meine Reise auf dem Jakobsweg halten. Sei dabei, wenn ich von meinem Abenteuer berichte und lass Dich von meinen Jakobsweg-Geschichten verzaubern. Mehr Infos findest Du hier.

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